«Auf Qualität statt auf Quantität setzen»

21 September 2026

 

Mit der Offizialisierung des Mountainbike-Netzes kann der Freiburger Tourismus den nächsten Schritt machen: ein koordiniertes Angebot entwickeln und vermarkten.

Das Projekt der kantonalen Mountainbike-Routenplanung wurde kürzlich öffentlich aufgelegt. Damit könnte schon bald ein Streckennetz von 1700 Kilometer legalisiert werden. Für die Tourismusbranche bedeutet dieser Schritt den Beginn einer neuen Etappe: die Entwicklung eines koordinierten und attraktiven Mountainbike-Angebots. Ein Gespräch mit Christophe Renevey, stellvertretender Direktor des Freiburger Tourismusverbands.

Seit 2019, als das Mountainbike im Plan Vision 2030 erstmals thematisiert wurde, wartet man auf dieses Streckennetz …
Die Nachfrage besteht seit Jahren. Unsere Region eignet sich hervorragend für Mountainbike-Aktivitäten. Die Voralpen sind über einen sehr langen Zeitraum im Jahr zugänglich, und wir verfügen über ein grosses potenzielles Einzugsgebiet, das sich vom Genferseegebiet bis in den Kanton Bern erstreckt. Deshalb freuen wir uns, dass dieser Prozess zur Offizialisierung der Mountainbike-Routen nun vorankommt.
Dieses Angebot wird die bestehenden touristischen Angebote des Kantons sehr gut ergänzen. Auch für die Bergbahnen ist das eine willkommene Perspektive. Sie haben den Wandel hin zum Ganzjahrestourismus bereits stark vorangetrieben. Gleichzeitig bietet das Mountainbiken bei unseren Zielgruppen ein enormes Potenzial.

Seit den Anfängen des Projekts sind sieben Jahre vergangen. Haben sich der Markt und seine Akteure in dieser Zeit verändert?
Vor zehn Jahren galten Mountainbike-Fahrende noch nicht als besonders interessante Gästegruppe. Velofahren wurde damals nicht unbedingt als besonders attraktive Freizeitaktivität wahrgenommen – ähnlich wie das Wandern. Dann kam die Coronapandemie.
Heute haben die Menschen ein stärkeres Bedürfnis, die Städte zu verlassen, Zeit in der Natur zu verbringen und sich selbst herauszufordern. Sie investieren in hochwertige und entsprechend teure Ausrüstung, insbesondere in E-Bikes. Die elektrische Unterstützung hat zudem das Publikum erweitert: Velofahrende sind längst nicht mehr nur gut trainierte Sportlerinnen und Sportler. Heute sind auch Paare, Familien oder Freundesgruppen unterwegs, weil sich dank E-Bikes unterschiedliche Leistungsniveaus besser ausgleichen lassen. Diese Gäste sind bereit, für Erlebnisse Geld auszugeben. Und unsere Region kann ihre Erwartungen erfüllen – mit der vielfältigen Landschaft, Gastronomie, Beherbergung und guter Erreichbarkeit.

Als das kantonale Projekt BikeIn-FR25 im Jahr 2021 lanciert wurde, bestand das Ziel darin, den Kanton Freiburg unter die Top 5 der Mountainbike-Destinationen der Schweiz zu bringen. Gilt dieses Ziel noch immer? Und was braucht es, um es zu erreichen?
Ich würde sagen: Ja, dieses Ziel ist nicht unrealistisch. Wir verfügen über die nötigen Voraussetzungen und das entsprechende Gästepotenzial. Ich würde allerdings präzisieren, dass es uns um Qualität und nicht um Quantität geht.
Mit der Planung werden die Strecken offiziell anerkannt, und wir können sie entsprechend vermarkten. Die touristischen Akteure wurden bereits sensibilisiert. Diese Arbeit müssen wir aber auch bei weiteren Akteuren entlang der Wertschöpfungskette fortsetzen. Ich denke beispielsweise an Bergbeizli und Alpkäsereien, aber auch an Bäckereien und andere Geschäfte.
Wer mit dem Mountainbike einen Ausflug macht, hält unterwegs vielleicht für einen Kaffee und ein Gipfeli an, isst mittags etwas oder gönnt sich nach der Tour eine Glace. Wenn wir dieses Angebot vermarkten und die gewünschte Qualität bieten wollen, müssen wir uns dieser Zusammenhänge bewusst sein.

Sie sprechen also von Koordination?
Ja, das ist ganz klar einer der entscheidenden Punkte. Wir müssen sensibilisieren und den verschiedenen Akteuren aufzeigen, dass sie tatsächlich davon profitieren können. Anschliessend geht es darum, sie miteinander zu vernetzen, ihre Dienstleistungen und Angebote zugänglich zu machen und interessanten Orte und Angebote in die verschiedenen Routen einzubinden.
Es braucht also eine Art Dirigentenrolle. Ziel ist es, dass das Gesamterlebnis möglichst gut funktioniert – sowohl für die Gäste als auch für die Dienstleistungsunternehmen vor Ort.

Werden nach der Offizialisierung zusätzliche Mittel für die Vermarktung zur Verfügung stehen?
Das würden wir natürlich begrüssen, aber uns ist bewusst, dass die aktuelle Situation schwierig ist. Das neue Angebot wird in die übergeordnete Kommunikation integriert. Es liegt an uns, die richtigen Kanäle und Mittel zu finden, um es sichtbar zu machen.
Bisher konnten wir das Mountainbike-Angebot nicht aktiv vermarkten, weil die Mehrheit unserer Routen nicht offiziell anerkannt war. Das war auch eine Frage unserer Verantwortung. Gleichzeitig wurde dieser strategisch wichtige Mountainbike-Schwerpunkt schon lange erwartet.
Einzelne Destinationen werden dieses Thema sicherlich verstärkt aufgreifen und möglicherweise auch ihre Positionierung überdenken. Sie werden das Mountainbike-Angebot in ihre eigene Kommunikation integrieren, und der Freiburger Tourismusverband wird diese Inhalte auf übergeordneter Ebene weitertragen.

Braucht es mehr Bikeparks und Flowtrails, damit Freiburg zu einer führenden Mountainbike-Destination werden kann?
Das Angebot, das derzeit entsteht, ist bereits interessant: Die neuen Strecken am Moléson und am Schwarzsee ergänzen das bestehende Angebot in La Berra.
Die offizielle Anerkennung der Routen wird zudem helfen, die Besucherströme besser zu lenken. Heute sind die Leute noch relativ frei und an vielen verschiedenen Orten unterwegs. Wir setzen auf einen sanften Tourismus. Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Menschen anzuziehen, sondern ein Niveau zu erreichen, das überschaubar und nachhaltig bleibt.
Wir brauchen deshalb ein ausreichend breites Angebot, das gut über unser Kantonsgebiet verteilt ist. Und auch hier gilt: Wir müssen auf Qualität statt auf Quantität setzen.

Interview: Sophie Roulin

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